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Samstag, 17. Juni 2017

Rezension ~ Mordkapelle

Allgemeine Informationen zum Roman

Titel: Mordkapelle
Autor: Carla Berling
Genre: Krimi
Taschenbuch: 400 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
Ersterscheinung: 10. April 2017
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453419960
ISBN-13: 978-3453419964
Reihe: Ira Wittekind
Band: III


Über die Autorin

Carla Berling wuch auf einem westfälischen Bauernhof auf. In der Babypause ihres ersten Kindes bagann sie mit ersten Schreibversuchen und fand dann den Quereinstieg als freie Mitarbeiterin bei einer Tageszeitung. Auch als Modaratorin fürs Fernsehen war sie schon tätig. Inzwischen hat Carla Berling sieben Bücher veröffentlicht darunter Romane, Satiren und Kurzprosa. Sie lebt und arbeitet mit ihrer Famileie im Rheinland.


Inhaltsangabe/Klappentext

Ein malerischer Sommerabend auf dem Land. Als die Lokalreporterin Ira Wittekind zur brennenden Friedhofskapelle in Rehme gerufen wird, findet sie ein schauriges Szenario vor: In der Ruine steht ein Rollstuhl vor dem Altar, der Mann darin ist tot. Es handelt sich um den angesehenen Apotheker Ludwig Hahnwald, allen bekannt als der schöne Ludwig. Ira Wittekind beginnt zu recherchieren. Dabei stößt sie auf ein dichtes Geflecht aus Lügen, Intrigen und verratener Liebe. Und auf ein grauenhaftes Unrecht, das vor vielen Jahren begangen und nie gerächt wurde.


Rezension/Meinung

Cover und Klappentext:
Eine einsame Kapelle auf weiter Flur. Irgendwie passt dieses Bild zum Titel einfach sehr gut und auch, wenn es vielleicht nicht direkt den Gegebenheiten im Buch entspricht, mir gefällt dieses Cover ausgesprochen gut. Was ich auch richtig genial finde, man aber am Bild gar nicht direkt merkt, dieses etwas Düstere, das Cover etwas verschwommen erscheinen lassende, was man an ihm irgendwie erkennen kann, ist auch haptisch zu erspüren, wenn man das Buch in den Händen hält. Es hat allgemein eine sehr raue Oberfläche dadurch, die ich persönlich sehr angenehm empfinde. Zumal dies auch einfach mal ein bisschen etwas anderes ist.
Auch der Klappentext macht einfach nur neugierig, verrät vielleicht schon ein bisschen zu viel des Guten, was aber nicht zwingend schlimm ist, da keine Details genannt sind. Neugierig war ich aber sofort, was jemand getan haben muss, damit ihm ein solcher Tod beschert wird.

Inhalt/Idee:
Für mich nichts vollkommen neues, aber doch nicht so häufig vorkommendes bei einem Kriminalroman, dass die Protagonistin weder bei der Polizei noch Detektiv, sondern Reporter ist. Von daher aber eine Abwechslung, die ich sehr schön finde. Auch, dass Ira eher ungewollt etwas zu dicht an den Täter heran gerät und damit auch ins Fadenkreuz desjenigen kommt, finde ich sehr stimmig. Es ist eindeutig eher ein sehr ruhiger Krimi, der von vielen Recherchen geprägt ist, was mir auch sehr zusagt. Vor allen Dingen auch wie Ira an die Informationen kommt, finde ich immer wieder spannend gemacht. Obwohl es mich teilweise wundert, dass die Reporter wirklich so nah von den Angehörigen an sich heran gelassen werden. Die Aufklärung des Falls hätte ich so zunächst nicht erwartet. Vielen Aspekten kommt man mit jeder Erkenntnis Iras immer näher, aber gerade der letztendliche Schluss ist dann doch noch spannender geworden, als ich ihn erwartet hätte. Vor allen Dingen aber was wirklich hinter Ludwig Hahnwald und seiner Vergangenheit steckt, einfach spannend, interessant und erschreckend.

Aufbau und Schreibstil/Umsetzung:
Es ist nicht der erste Band rund um Ira Wittekind und das merkt man auch ein wenig. Die Charaktere und manche Örtlichkeiten werden deutlich so beschrieben, dass man sie eigentlich schon kennen sollte und sie nur dem Neuling noch bekannt gemacht werden. Gut in dem Sinn, dass man schnell in die Geschichte hinein kommt. Ansonsten merkt man einfach, dass es ein irgendwie doch deutlich anderer Stil ist, ob ein Mordfall durch einen Polizisten oder einen Reporter bearbeitet wird. Dabei ist in meinen Augen extrem gut dargestellt an welche Informationen Ira überhaupt kommen kann und mit welchen Mitteln. Gerade die Darstellung dieser Einschränkungen und auf welche Ideen sie kommt, finde ich sehr gelungen. Ein wenig überzogen vielleicht, wie extrem sie an dem Fall dran ist und wie sehr ihr Freund Andy auch manchmal darunter leiden muss. Einfach spannend und interessant geschrieben.

Charaktere:
Ich mag Ira, auch wenn ich ihren Arbeitseifer an mancher Stelle ehrlich nicht nachvollziehen konnte, sie mir manchmal vielleicht auch ein bisschen zu hohe Risiken eingegangen ist. Ihre beste Freundin, die Taxifahrerin, finde ich einfach nur den Knaller, denn sie bringt eindeutig ein wenig frischen Wind in alles, ebenso wie die beiden Tanten von Andy, die mit auf dem Hof Eskendor leben, einfach zwei Unikate sind, die ein solches Buch einfach super gebrauchen kann. Die zwei sind irgendwie knuffig, vor allen Dingen, wie sie immer wieder erstmal ein Schnäpschen trinken wollen. Einfach alle rund um Eskendor sind im Grunde sehr sympathische Charaktere, selbst die, die wirklich eine kleine Rolle spielen.
Die Familie rund um Ludwig Hahnwald finde ich einfach nur extrem interessant und auch die Facetten hinter den einzelnen Charakteren sind sehr gelungen. Man beginnt auch sehr schnell Sympathien und Unsympathien zu entwickeln, die einen immer mehr zu einem oder dem anderen tendieren lassen, wer wohl hinter dem Mord stecken könnte. Allgemein sehr gelungene Charaktere.


Fazit


Ein Krimi, der mal ein wenig anders ist, was die Ermittlerin angeht, da sie den Fall ja eigentlich gar nicht unbedingt lösen müsste, sondern es aus eigenem Ansporn tut und das vielleicht auch ein bisschen zu intensiv. Vor allem das Gespinst aus Lügen und Beziehungsgeflechten im Haus Hahnwald finde ich einfach nur klasse beschrieben und bringt gut Spannung in diesen Krimi. Und mit den Bewohnern auf Eskendor und Iras Privatleben wird es zudem noch ein wenig aufgelockert. Für mich einfach eine sehr angenehme Mischung, die viel Spaß beim Lesen macht.

Freitag, 16. Juni 2017

Rezension ~ Ein Dorf zum Verlieben

Allgemeine Informationen zum Roman


Titel: Ein Dorf zum Verlieben
Autor: Dorothea Böhme
Taschenbuch: 320 Seiten
Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag
Ersterscheinung: 20. Februar 2017
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 373410338X
ISBN-13: 978-3734103384
Genre: Belletristik



Über die Autorin

Dorothea Böhme wurde 1980 in Hamm (Westfalen) geboren. Es hat sie immer schon in die Welt hinausgezogen: Sie studierte in Deutschland und Österreich, verbrachte einige Monate in Ecuador und Italien und arbeitete als Deutschlehrerin in Ungarn.


Inhaltsangabe/Klappentext

Gilmore Girls im Münsterland – charmant, witzig, herzerwärmend!

Was Wanda will: Yoga unterrichten und vielleicht noch dem einen oder anderen Dorfbewohner aushelfen. Was Wanda nicht will: an ihre Jugendliebe Richard denken, auf keinen Fall! Außerdem will sie nicht verkuppelt werden, schon gar nicht von ihren bislang verfeindeten Großmüttern, die auf einmal ein Herz und eine Seele zu sein scheinen. Was Wanda nicht weiß: Das ganze Dorf verschwört sich gegen Richard, der nach zehn Jahren plötzlich als Arzt wieder auftaucht. Aber haben sie da die Rechnung vielleicht ohne Rücksicht auf Wandas Gefühle gemacht? Denn ihr Herz gerät immer noch aus dem Takt, wenn sie an ihn denkt …


Rezension/Meinung

Cover und Klappentext:
Das Cover weckt in mir genau die Erwartungen, die der Roman am Ende auch zu erfüllen schafft, da es mich sofort an einen lockeren Frauenroman denken lässt, der auf dem Land spielt und ein wenig auch schon auf eine etwas chaotischere Protagonistin abzielen könnte. In meinen Augen einfach nur passend. Auch der Klappentext verrät mir nicht zu viel und passt auch wirklich zum Inhalt. Für mich eine wirklich gelungene Kombination.

Inhalt/Idee:
Die Geschichte hat grundsätzlich den typischen Ablauf eines solchen Frauenromans, geht es doch irgendwie wieder um die Liebe. Etwas besonders spezielles ist das noch nicht, wären da nicht Wandas Omas und die gesamten Dorfbewohner, die dieses Buch einfach zu einem grandiosen Leseerlebnis machen, denn wie sie ihre Wanda unterstützen wollen, bloß nicht wieder von diesem Mann, Richard enttäuscht zu werden und auf was für verrückte Ideen die Omas ansonsten noch so kommen, um ihre Wanda glücklich zu machen, ist einfach nur genial. Es ist einfach nur zu gekonnt beschrieben, wie alle Dorfbewohner immer wieder versuchen es zu verhindern, dass Richard und Wanda sich auch nur irgendwie begegnen.

Aufbau und Schreibstil/Umsetzung:
Das Buch hat einfach eine angenehm lockere Schreibweise und vor allen Dingen gibt es auch immer wieder Szenen, die sowohl in ihren Dialogen, als auch einfach von der Szene an sich nur zu amüsant sind. Die meiste Zeit hatte ich ein großes Grinsen im Gesicht, während ich dieses Buch gelesen habe. Es strotzt einfach nur so vor amüsanter Szenen, hat natürlich auch eine gewisse ernste Note, ebenso, wie eine emotionale, die bei einer solchen Liebesgeschichte natürlich nicht fehlen darf.

Charaktere:
Dieser Bereich ist einer der genialste im gesamten Buch. Wanda als Protagonistin ist zwar ein bisschen naiv manchmal und fast schon einer der etwas blasseren Charaktere, auch wenn ich sie sehr gern habe. Jedoch kommt gegen ihre beiden Omas einfach niemand an. Eine Oma vollkommen der Hippie, extrem junggeblieben für ihr Alter und noch auf der aktiven Suche nach neuen Männern und das zur Not auch im Internet. Die andere vollkommen die typische Oma. Auch Jahre nach dessen Tod noch ihrem Mann treu, zudem sehr dem Backhandwerk zugetan und einfach etwas altmodisch eingestellt. Gerade auch die beiden im Zusammenspiel sind einfach der Knaller. Richard ist mir auch sehr sympathisch und ich kann verstehen, dass Wanda ihm nachtrauert. Auch die vielen kleinen Nabencharaktere, wie Wandas beste Freundin und auch alle anderen Dorfbewohner mag ich irgendwie ziemlich gern und ich stelle es mir durchaus amüsant vor dort zu leben.


Fazit


Ein sehr angenehm zu lesender Roman, bei dem man einfach nur Spaß hat, der ein wenig etwas fürs Herz ist und den ich nur jedem empfehlen kann, der ein wenig lockere Unterhaltung genießen möchte. Von mir auf jeden Fall eine klare Empfehlung, wenn es nicht extrem tiefgründig sein muss und auch auf jeden Fall total die Urlaubslektüre.

Donnerstag, 15. Juni 2017

Rezension ~ Smoke

Allgemene Informationen zum Roman


Titel: Smoke
Autor: Dan Vyleta
Broschiert: 624 Seiten
Verlag: carl's books
Ersterscheinung: 13. März 2017
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3570585689
ISBN-13: 978-3570585689
Originaltitel: Smoke
Genre: Fantasy


Über den Autor

Dan Vyleta wurde 1974 als Sohn tschechischer Einwanderer in Gelsenkirchen geboren. Nach dem Abitur studierte er in England und Wien Geschichte und promovierte am King’s College in Cambridge. Für seine Romane hat er bereits mehrere Literaturpreise erhalten. Smoke begeisterte in den USA und in Großbritannien Kritiker und Leser gleichermaßen und erscheint demnächst in 15 Ländern. Nach vielen Jahren in Kanada lebt Dan Vyleta zur Zeit wieder in England. 


Inhaltsangabe/Klappentext

Wie sähe eine Welt aus, in der jede Sünde, jeder dunkle Gedanke sichtbar wäre?
Smoke entführt den Leser in ein England vor hundert Jahren, in dem jede Verfehlung mit Rauch bestraft wird, der dem Körper entweicht.

Auch Thomas und Charlie, Schüler eines Elite-Internats, werden immer wieder durch Rauch-Attacken gebrandmarkt, wenn sie den strengen Schulregeln nicht genügen. Doch dann finden sie – fast zufällig – heraus, dass die Gesetze des Rauchs längst nicht für alle gelten. Wieso gibt es böse Menschen, die nicht von Ruß befleckt sind? Und welche Rolle spielt der Rauch bei den sozialen und politischen Umbrüchen ihrer Zeit? Auf der Suche nach der Wahrheit begeben sich die Freunde auf eine dramatische Reise voller riskanter Abenteuer und düsterer Intrigen und rufen damit schon bald mächtige Feinde auf den Plan ...

Smoke ist ein sprachmächtiger, überbordend einfallsreicher Roman und zugleich eine kluge Parabel, die facettenreich die existenziellen Fragen nach Macht und Moral, Wahrheit und Lüge, Gut und Böse beleuchtet


Rezension/Meinung

Cover und Klappentext:
Eine düstere Geschichte, die in England spielt, gepaart mit einem düsteren Cover, auf dem man eindeutig London erkennen kann. Für mich schon einmal eine sehr passende Covergestaltung. Zumal man auch im unteren Bereich ein wenig den titelgebenden Rauch erahnen kann. Ebenso wie der Klappentext neugierig macht, man sich die Frage zu stellen beginnt, was es mit diesem Rauch genau auf sich hat, man sofort erkennen kann, dass die Geschichte wirklich eher einen düsteren Anklang haben dürfte und bei mir die Neugier geweckt wurde.

Inhalt/Idee:
Der Rauch ist einfach eine extrem interessante Idee und auch sehr gut beschrieben. Ich hätte zwar noch gerne etwas mehr zu ihm erfahren, seiner Herkunft, wie gewisse Dinge wirklich funktionieren, die mit dem Rauch zu tun haben etc. Allgemein hätte es noch so einiges gegeben, was ich leider nicht zum Rauch habe erfahren können. Trotzdem finde ich die Idee dahinter, dass wirklich jeder negative Gedanke oder auch nur im allgemeinen stärkere Gefühle, die eher zu den Todsünden zählen, dazu führen, dass sich dieser Rauch entwickelt und das auch noch in so vielen Facetten.
Der Rauch ist eine extrem spannende Idee und ihn zusammen mit Thomas und Charlie ein wenig zu ergründen auch. Vor allem, da es lange Zeit für mich nicht klar war, auf was die Geschichte hinauslaufen wird, in die diese beiden hineingezogen werden. Jedoch ist es beeindruckend, was für eine düstere Atmosphäre der Autor zu schaffen vermag. Denn anders, als extrem düster kann man dieses Buch schwer beschrieben.

Aufbau und Schreibstil/Umsetzung:
Allein die Idee hinter dem Rauch gefällt mir einfach enorm gut, auch wenn mir der Autor ein bisschen zu wenig detailliertere Informationen liefert woher dieser gekommen sein könnte oder auch, warum es wirklich noch Ecken auf der Welt gibt, in denen dieser Rauch scheinbar so nicht existiert. Lange war mir auch nicht wirklich klar, ob es nur England betrifft oder zumindest ganz Europa. Über dieses Drumherum schweigt sich der Autor ein wenig aus. Leider! Das Buch ist auf jeden Fall in vielen Punkten sehr spannend umgesetzt und doch hat es auch irgendwie wieder seine Längen, einfach Abschnitte in denen Gefühlt wenig passiert und wenn, sich nur die düstere Atmosphäre einfach nur verdichtet und das Buch noch wieder ein ganzes Stück düsterer wird. Vor allem der Anfang hat mir sehr gut gefallen, eigentlich genau der Abschnitt, bevor die Handlung richtig beginnt und man mehr oder weniger erst einmal richtig eingeführt wird in diese Welt. Als die Handlung dann fahrt aufnimmt, wird alles leider ein wenig zu undurchsichtig, stagniert teilweise ein bisschen. Ich hatte mir ehrlich etwas mehr erhofft, aber schlecht ist das Buch trotzdem nicht, aber eher auf einer anderen Ebene interessant, als der, die reine Handlung betreffend. Eher durch die Charaktere und manches Detail um den Rauch.

Charaktere:
Wodurch »Smoke« wirklich ein wenig brilliert, sind die Charaktere. Thomas und Charlie allein sind schon interessant genug, denkt man zu Beginn noch, dass Charlie eher ein unbedeutender Nebencharakter neben Thomas sein könnte, mausert er sich immer mehr aus dem naiven Aristokratensohn, den man zunächst in ihm sieht, zu einer durchaus interessanten Persönlichkeit, die ich noch spannender finde, als Thomas. Thomas ist eher eine etwas düster angehauchter Charakter, der sich selbst für eher schlechter hält, oftmals auch eine negative Ausstrahlung besitzt und mir doch irgendwie im Verlauf des Romans erst unsympathischer und dann wieder sympathischer wird. Vor allen Dingen aber sehr spannend finde ich alle Charaktere die sich zu sehr verschließen, Gefühle eigentlich gar nicht zulassen, um so dem Rauch keine Chance zu geben, so wie Livia. Und vor allen Dingen Julius der als Antagonist und in seiner Wandlung durch das Buch wirklich ein erschreckend interessanter Charakter ist, der in meinen Augen eine extrem geniale Darstellung erfährt. Gerade ihn finde ich gleichsam grausig, wie einfach nur interessant und extrem gelungen.



Fazit


Es ist doch eine unerwartet schwere Kost, vor allem wohl auch, weil man zwar etwas Spannung erfährt, aber vor allem von dieser düsteren Atmosphäre, dem Rauch, den teilweise doch sehr obskuren Persönlichkeiten in diesem Roman ein wenig erschlagen wird. Dazu kommt, dass das Ende für mich nicht wirklich stimmig ist. Es bleibt einfach viel zu viel offen, verdammt viele Fragen werden nie geklärt, man wir einfach ein wenig damit allein gelassen, was wohl jetzt eigentlich ist. Mich hätte ein bisschen mehr Aufklärung an einigen Stellen und ein weniger offenes Ende deutlich mehr zufriedengestellt. Ebenso muss ich gestehen, hätte es teilweise etwas mehr an Handlung sein dürfen, denn die kam mir eigentlich nicht wirklich gehaltvoll vor. Trotzdem habe ich das Buch irgendwie auch gern gelesen, da ich die Charakterstudien interessant finde, denn einige der Persönlichkeiten sind schon sehr genial durchdacht und vor allen Dingen auch dargestellt. Man sollte wissen, worauf man sich einlässt, wenn man dieses Buch beginnt, denn ein lockerer Fantasy-Roman ist etwas vollkommen anderes.

 


Mittwoch, 14. Juni 2017

Rezension ~ Die Chronik der Verbleibenen - Der Kuss der Lüge

Allgemeine Informationen zum Roman


Titel: Die Chronik der Verbleibenen - Der Kuss der Lüge
Autor: Mary E. Pearson
Gebundene Ausgabe: 560 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (one by Lübbe)
Ersterscheinung: 16. Februar 2017
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3846600369
ISBN-13: 978-3846600368
Empfohlenes Lesealter: ab 14 
Originaltitel: The Kiss of Deception
Genre: Fantasy
Reihe: Die Chronik der Verbleibenen
Band: I





Über die Autorin

Mary E. Pearson erblickt am 14. August 1955 in Südkalifornien das Licht der Welt. Sie studierte in San Diego und unterrichtet daraufhin viele Jahre, bevor sie sich entschloss zu schreiben. Zu ihren Hobbies zählt sie selbst das Lesen, lange Spaziergänge, Ski fahren, Kochen und Reisen. Sie ist verheiratet, hat zwei Töchter und lebt mit zwei Golden Retrievern zusammen. Ihr Roman "Zweiunddieselbe" wurde für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert, "Nieundewig" wurde als eines von "The Best Children's Books of the Year" im Jahr 2012 ausgewählt


Inhaltsangabe/Klappentext

Band 1 der Chroniken der Verbliebenen, dem Epos um Intrigen, Lügen und Geheimnisse - endlich auch auf Deutsch zu lesen.

Lia ist die älteste Tochter im Königshaus Morrighan. Gerade mal 17 Jahre alt, soll sie mit einem Prinzen verheiratet werden, den sie noch nie in ihrem Leben gesehen hat. Doch die Prinzessin entscheidet sich, ihr bisheriges Leben hinter sich zu lassen. Sie flieht und heuert weit entfernt von zu Hause in einer Taverne an. Dort lernt sie zwei Männer kennen, die sofort ihre Aufmerksamkeit erregen. Was sie nicht weiß: Beide sind auf der Suche nach ihr. Einer wurde ausgesandt, um die Königstochter zu töten. Und der andere ist ausgerechnet jener Prinz, den sie heiraten sollte. Schnell fühlt sich Lia zu beiden hingezogen ...


Rezension/Meinung

Cover und Klappentext:
Das Cover passt sehr zu dieser eher mittelalterlich angehauchten Welt, in der die Geschichte spielt und ist meines Erachtens nach einfach nur sehr treffend und schön gestaltet. Zwar ähnelt das Mädchen, welches auf dem Cover dargestellt ist, nicht wirklich der Protagonisten, aber trotzdem finde ich es, vor allen Dingen auch mit den Aspekten im Hintergrund einfach sehr gut. Auch der Klappentext ist in vielem einfach sehr stimmig, obwohl er mich, was die beiden Männer und Lias Gefühle für sie, ein wenig in eine falsche Erwartung gebracht hat. Das aber nicht in einem solch großen Maß, dass es schlimm gewesen wäre.

Inhalt/Idee:
Die Idee hinter dieser Trilogie gefällt mir, soweit ich sie bisher absehen kann, sehr gut, denn ehrlich zugegeben, muss ich gestehen, dass ich bisher nicht wirklich weiß, worauf manches hinauslaufen wird. Jedoch den Aspekt, dass Lia vor ihrer arrangierten Hochzeit flieht und dann doch Gefühle für eben diesen Mann bzw. einen Attentäter entwickeln könnte, der es eigentlich auf sie abgesehen hat, finde ich schon sehr gelungen. Auch ist der Auftakt einfach sehr gut, da man alle drei Charaktere, ihre Gefühle zueinander und ihre sich entwickelnden Beziehungen untereinander einfach zu gut vorstellen kann und es spannend wird, wie weitere Geschehnisse in den anderen Bänden dies verändern bzw. Unausgesprochenes und Verschwiegenes zu weiteren Dingen führen könnte. Ein wenig schade finde ich, dass man in diesem ersten Band, neben der sich entwickelnden Liebesgeschichte nicht wirklich herausfindet, warum der Attentäter wirklich das Attentat verüben soll, denn das Motiv des Prinzen ist deutlich klarer.

Aufbau und Schreibstil/Umsetzung:
Ich finde es zu Beginn des Buches einfach nur grandios gemacht, dass man nicht weiß wer bei Kaden und Rafe Prinz bzw. Attentäter ist. Man sich langsam selbst anfängt ein Bild der beiden zu machen, immer wieder darüber nachzudenken, wer nun welcher sein könnte, dazwischen immer wieder Kapitel hat, die von einem der beiden erzählt werden, bzw. auch Kapitel, die ganz klar den Prinz bzw. Attentäter als Erzähler haben, ohne, dass man wirklich zu einhundert Prozent sagen könnte, welcher genau wer ist. Das gemischt mit den Kapiteln aus Lias Perspektive macht das Buch einfach nur irre spannend. Und auch später, als es dann raus ist, wer der beiden wer ist, bleibt es so, dass man immer mal wieder aber auch Kapitel aus ihrer Perspektive hat, was einfach das Buch super auflockert. Auch der Inhalt der Geschichte gefällt mir darin sehr gut, dass die sich entwickelnden Gefühle zwischen den Charakteren zwar wichtig sind und eine Rolle spielen, aber es auch noch deutlich mehr darum herum gibt. Vor allen Dingen auch die Welt und manche Dinge, wie die Gabe, von der immer wieder gesprochen wird, klingen einfach sehr interessant, auch wenn mir immer noch ein wenig die Erklärungen zu manchem fehlen, die ich mir in den nächsten Teilen erhoffen würde.
Alles in allem hat dieser erste Band im letzten Drittel zwar ein paar kleinere Längen, aber diese sind nicht wirklich richtig störend und ein bisschen Spannung in dem Sinn, dass die Zeit einfach auch verstreicht und alles etwas knapper wird, ist ja auch nicht verkehrt.

Charaktere:
Die Charaktere gefallen mir irgendwie alle ausgenommen gut. Sowohl Rafe, als auch Kaden sind beide sehr interessante Männer. Ebenso, wie der Prinz und der Attentäter. Gerade auch die kleinen Unterschiede der beiden gefallen mir einfach. Vor allem, da man so vieles über sie erfährt, beide Charaktere aber immer noch ein kleines Rätsel bleiben, auch wenn man den Eindruck bekommt, dass man anfängt ihre Persönlichkeit ein wenig zu durchschauen. Lia ist zwar manchmal ein bisschen naiv, aber das nur im geringen Maß, allgemein wirkt sie auf mich ziemlich taff und vor allem sehr sympathisch. Als Protagonisten mag ich sie sehr gern, da sie eine sehr eigenständige Person ist und das, obwohl ihr als Prinzessin sicher viele Dinge abgenommen wurden bzw. sie gar nicht machen durfte. Sehr schön wird das in ihren ersten Tagen nach der Flucht auch dargestellt. Dazu kommt, dass viele der Nebencharaktere einfach interessante Facetten zeigen, bei denen ich schon sehr gespannt bin, was einen damit noch in den nächsten Teilen erwartet. Zu denen ich aber nicht zu viel sagen mag, da ich das schon als Spoiler empfände.



Fazit


Ein wirklich gelungener Auftakt zu einer neuen Trilogie, bei der ich schon sehr auf die nächsten Teile gespannt bin. Es ist zwar ein wenig schade, dass jetzt die Spannung des Anfangs, welche Rollen Rafe und Kaden einnehmen würden, jetzt geklärt ist, denn dieses Spiel mit dem Leser hat mir besonders gut gefallen, aber die Geschichte birgt noch so viel Potential in ihren Charakteren, dass es mich extrem neugierig macht, wie es weitergehen wird. Vor allem auch, da ich bei einigen Dingen immer noch keinerlei Ahnung habe was dahinter stecken könnte und einfach wissen möchte, wie diese noch aufgelöst werden und auch sehr hoffe, dass man einfach noch mehr dazu erfährt.

 


Dienstag, 13. Juni 2017

Rezension ~ Sharj und der Feuerkristall

Allgemeine Informationen zum Roman

Titel: Sharj und der Feuerkristall
Autor: Audrey Harings
Taschenbuch: 308 Seiten
Verlag: AH Tales and Stories S.L.
Ersterscheinung: 7. Februar 2017
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 8494667300
ISBN-13: 978-8494667305
Empfohlenes Alter: 8 - 12
Genre: Fantasy
Reihe: Sharj
Band: II


Über die Autorin

Audrey Harings wurde 1969 in Trier geboren. Sie lebt mit ihrem Mann, zwei Töchtern, einem Neffen, vier Katzen und zwei Hunden an der südlichen Costa Blanca (Spanien). Die Idee zum ersten Band dieser Reihe hatte sie bereits 2005. Inspiriert wurde sie durch eine Keramikfigur, die im Schaufenster eines Möbelladens stand. Als sie die Figur sah, eine Elfe auf einem Drachen reitend, flog ihr die Geschichte sozusagen in den Kopf. Sie konnte gar nichts dagegen tun. Nachts träumte sie weitere Kapitel. Nach einigen Tagen kaufte ihr Mann die Figur. Und so begann sie zu schreiben, erst voller Enthusiasmus, dann langsamer – und als sie selbst zwei wundervolle Töchter hatte, vollendete sie die Geschichte schließlich. Sharj und das Wasser des Lebens ist das erste Buch ihrer Fantasyreihe, die mit Sharj und der Feuerkristall ihre Fortsetzung findet.


Inhaltsangabe/Klappentext

Sharj und José untersuchen den Kompass, den der Elfenkönig Sloma ihnen geschenkt hat, und entdecken dabei einen verborgenen Mechanismus. Wie durch Zauberei transportiert er sie in eine andere Welt: nach Luciera. In Luciera herrscht, anders als der Name vermuten lässt, ewiges Dunkel. Hier leben Samira, Roma und Alma in großer Angst vor den Dajanen, einem blutrünstigen Vampirvolk, und dessen schrecklichen Anführer Golob. – Wie ist es zu dieser Dunkelheit gekommen? Wie können die Bewohner dort existieren und Nahrung finden? Können sie die Dajanen besiegen? Sharj und José erleben wieder ein spannendes und gefährliches Abenteuer. Doch auch auf der Erde ist einiges los: Josés Vater waltet seines Amtes als Tierarzt, Mona und Tina sind im Zeltlager. Und Otto erprobt sein Gift – mit tödlichen Folgen?


Rezension/Meinung

Cover und Klappentext:
Das Cover passt sehr gut zu diesem Buch, auch wenn es einem zunächst noch ein bisschen Rätsel aufgeben kann, was es wohl mit der Geschichte zu tun haben könnte. Aber hat man das Buch dann einmal gelesen, ist das Cover einfach sehr stimmig gewählt, zumal man auch sofort zu Beginn erkennen kann, dass es sich um eine eher phantastische Geschichte handelt. Ebenso passend ist der Klappentext gestaltet, der einen sofort in die richtige Richtung schubst, um erkennen zu können, was für eine Geschichte man vor sich hat, zu wissen, dass es schon der zweite Teil ist und auch ein bisschen schon erahnen zu können, was auf einen zukommt, einem aber eindeutig noch nicht zu viel verrät.

Inhalt/Idee:
Die Idee hinter den Reisen, die Sharj und ihr Freund José in fremde Welten unternehmen, finde ich ziemlich genial. Vor allen Dingen auch, da die beiden dort nicht sie selbst sind, sondern sich in ihrer Erscheinung der Welt anpassen, zu Elfen, Drachen oder ähnlichem werden, so dass sie zum einen in diese Welt passen und zudem einen Körper bzw. eine Funktion an diesem haben, die ihnen bei ihrer Mission, wie sie eben dieser Welt und ihren Bewohnern helfen können, sehr hilfreich ist. Auch die Welt, in die Sharj und José in diesem zweiten Band geraten gefällt mir irgendwie, auch wenn man nur Bruchstücke über sie erfährt, aber einige dieser Bruchstücke finde ich schon sehr eindrücklich.

Aufbau und Schreibstil/Umsetzung:
Richtig gut gefällt mir an diesem Buch, dass man zu Beginn des Bandes eine Auflistung aller wichtigen Charaktere hat und das auch noch mit kleinen Bildern. Dazu kommt, dass diese Bilder samt eines weiteren größeren immer wieder am Beginn einzelner Abschnitte auftauchen, so dass man schon gleich erkennen kann, mit wem man es im nächsten Kapitel zu tun bekommen wird. Eine sehr charmante Idee. Ansonsten merkt man dem Buch an, dass es eher ein Kinder- bzw. Jugendbuch ist, da es doch an einigen Stellen ein wenig simpler formuliert ist. Die Sätze sind oftmals sehr einfach und es lässt sich daher auch sehr problemlos und schnell lesen. Ab und an wirkt es ein bisschen einfach, aber gerade bei einem Buch für eine eher junge Lesergruppe finde ich das nicht unbedingt verkehrt. Etwas schade finde ich, dass neben der Hauptgeschichte rund um Sharj und José noch so viel von der Familie erzählt wird, von der Sharj adoptiert wurde und die ihr eher nicht unbedingt gutes wollen. Das lenkt einfach ein bisschen sehr von der eigentlichen Handlung ab, auch wenn diese Erzählstränge an sich nicht uninteressant sind.

Charaktere:
Ich mag Sharj und José wirklich sehr gern. Man kann sich die beiden schon sehr gut vorstellen, auch wenn ich es unter anderem manchmal sehr niedlich finde, wie sie miteinander umgehen. Ein bisschen war ich mir ehrlich unsicher, wie alt die beiden eigentlich wirklich sein sollen, da ich das nicht richtig erkenne konnte und es auch nicht erwähnt wird. Manchmal wirken sie nämlich deutlich reifer, als in anderen Szenen, in denen sie mir noch sehr jung und unreifer vorkommen. Die Bösen sind in meinen Augen ein bisschen blass beschrieben, außer vielleicht die Mitglieder von Sharj Familie, bei denen Vater Otto schon einen sehr klaren Charakter hat und seine Frau auf mich einfach nur wie das kleine Dummchen wirkt, die ihrem Mann nach dem Mund redet. Schon eine sehr urige Familie, aber man kann sie sich durchaus gut vorstellen.

 

Fazit


Ein durchaus lesenswertes Buch, auch wenn es noch ein paar kleine Schwächen aufweist. In meinen Augen wäre es einfach schöner gewesen, wenn noch mehr Fokus auf Sharj und José gelegen hätte, eventuell auch noch ein kleiner auf ihren Adoptiveltern, aber die gesamte Erzählung rund um ihre „Schwester“ hätte nicht unbedingt sein müssen. Auch wäre manchmal ein kleines bisschen mehr Abwechslung in der Satzstruktur bzw. Worten, die die wörtliche Rede einleiten bzw. kennzeichnen schön gewesen, aber das sind zumeist nur Kleinigkeiten. Alles in allem eine schöne Geschichte, bei der es schon interessant ist, wohin Sharj und José beim nächsten Mal verschlagen werden.

Donnerstag, 30. März 2017

Rezension ~ Demut

Allgemeine Informationen zum Roman

Titel: Demut
Autor: Mats Olsson
Broschiert: 736 Seiten
Verlag: btb Verlag
Ersterscheinung: 27. Februar 2017
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442714648
ISBN-13: 978-3442714643
Originaltitel: Straffa och låta dö
Genre: Thriller
Reihe: Harry Svensson
Band: I

 

Über den Autor

Mats Olsson (geboren 1949) ist einer der bekanntesten Journalisten Schwedens. Er arbeitet als Sportreporter, Musikkritiker und Auslandskorrespondent. Momentan lebt er in New York. Olsson ist vielfach preisgekrönt für seine journalistischen Texte, er ist darüber hinaus der schwedische Übersetzer von Joseph Wambaugh, Robert Caris und James Lee Burke. DEMUT ist sein Krimidebüt und Start einer Serie um den ehemaligen Journalisten Harry Svensson. 


Inhaltsangabe/Klappentext

Das hatte er sich anders vorgestellt: Harry Svensson, Exreporter einer Stockholmer Zeitung und angehender Kneipenwirt, hat sich in Malmö mit einer Weinhändlerin verabredet – doch aus der gemeinsamen Nacht wird nichts. Ulrika Palmgren überlegt es sich im letzten Moment anders und setzt ihn vor die Tür. Statt speziellen Sex gibt‘s ein lädiertes Ego und eine gebrochene Nase. Als er notdürftig verarztet in sein Hotel zurückkehrt, entdeckt er im Nachbarzimmer, dessen Tür lediglich angelehnt ist, den bekannten Blues-Sänger Tommy Sandell, der seinen Rausch ausschläft – neben ihm die Leiche einer Frau. Die Ermittlungen der Polizei in dem Mordfall wollen nicht so recht vorankommen. Nur eins ist sicher: der Musiker war es nicht. Svensson betreibt derweil seine eigenen Recherchen. Als es wenig später in Göteborg zu einem ähnlichen Fall kommt, ist Harry Svensson sich sicher, dass man es mit einem Serienmörder zu tun hat …


Rezension/Meinung 

Cover und Klappentext: 
Das Cover finde ich sehr gelungen, hat man doch bei diesem Muster etwas distinguiertere Sessel oder auch in diversen Etablissements aufgrund der Dekoration verwendeter Rückenlehnen von Bettgestellen im Kopf. Vor allem, wenn man dann den Klappentext mit dem Cover in Verbindung bringt, dann passt das in meinen Augen schon sehr gut zusammen. Der Klappentext selbst macht neugierig, verrät aber eindeutig auch sehr wenig. Vielleicht fast schon ein bisschen zu wenig. Trotzdem finde ich diese Kombination schon sehr stimmig.


Inhalt/Idee:
Was an der Idee hinter diesem Thriller eigentlich wohl nur halbwegs neu ist, ist die Verkettung der Vorlieben des Protagonisten mit den Taten des Täters. Ein bisschen skurril ist es ja schon, dass Harry Svensson Vorlieben hat, die der Täter bei seinen Taten irgendwie auch auslebt. Ansonsten springt der Thriller vielleicht ein bisschen auf den durch »Fifty Shades of Grey« ausgelösten Hype rund um SM, verpackt das Ganze aber auf eine deutlich andere Art und Weise und vor allem wohl auch die Motive des Täters sind dabei sehr interessant, weil sie ein wenig von dem abweichen, was man so im ersten Moment wohl vermuten würde.

Aufbau und Schreibstil/Umsetzung:
Ich musste mich erst einmal an Olssons Schreibstil gewöhnen. Vor allen Dingen, da es mir zu Beginn des Thrillers oftmals schwer fiel wirklich zu erkennen, wer eigentlich der Erzähler in einem der Abschnitte ist. Es hat bei mir oftmals sehr lange gedauert, bis mir wirklich klar war, dass der Erzähler Harry ist oder doch der Täter. Dadurch hatte ich ein wenig Einstiegsschwierigkeiten, da ein Durcheinanderkommen manches Mal nicht ganz vermeidbar war.
Interessant ist, dass der Thriller über einen sehr langen Zeitraum verläuft und man auch einige räumliche Sprünge vornimmt, was aber durch kurze Kapitel und dazu noch Angaben bei jedem wo und wann es spielt sehr gut gelöst wurde. Allgemein ist es eigentlich ein verhältnismäßig ruhiger Thriller, was ich bei den Schweden auch eher erwartet hatte. Spannend, aber mit vielen weiteren Themen um den eigentlichen Fall herum, die teilweise damit zusammenhängen, aber in manchen Punkten auch nicht. Die Faszination für das sogenannte Spanking, was in diesem Thriller eine große Rolle spielt, kann ich zugegeben nicht verstehen und fand es oftmals auch eher einfach nur seltsam, was aber für die Atmosphäre sehr gut war.

Charaktere:
Harry Svensson ist ein Protagonist, den ich irgendwie mag und doch wieder auch nicht. Seine Vorlieben sind mir ein bisschen suspekt, seine Art mit seinen Nachforschungen und teilweise anderen umzugehen auch und trotzdem wirkt er einfach sehr real, sehr menschlich. Harry hat so viele Ecken und Kanten und kommt doch in einigen Augenblicken wieder so sympathisch rüber, dass er einfach ein extrem stimmiger Charakter ist. Auch viele andere Nebencharaktere finde ich sehr gelungen, wie Arne Jönsson, einen Kollegen Harrys oder auch weitere seiner Bekannten, andere, die er während seiner Ermittlungen kennenlernt etc. Ein bisschen seltsam kommt mir die Ermittlerin Eva Månsson vor, die ab und an ein wenig aus der Rolle fällt.
Den Täter finde ich sehr interessant charakterisiert, auch wenn er definitiv nichts spektakuläres Neues ist, aber er ist ziemlich gut geschnitten, so dass man seine Taten nachvollziehen kann.

 

Fazit


Ein durchaus mal anderer Thriller, da ich einfach den Protagonisten sehr speziell finde und auch seine Vorgehensweise. Zudem ist es ein für einen Thriller sehr ruhiges Buch, das sich auch einfach über einen sehr langen Zeitraum zieht, in meinen Augen sehr dem typischen skandinavischen Krimi gleicht, nur, dass der Täter vielleicht ein wenig härter vorgeht, als in diesen. Alles in allem aber ein durchaus lesenswertes Buch, bei dem man aber keinen Thriller im typisch amerikanischen Stil erwarten darf, da er doch schon sehr anders ist.

Mittwoch, 29. März 2017

Rezension ~ Der Manipulator

Allgemeine Informationen zum Roman

 
Titel: Der Manipulator 
Autor: Mark Billingham
Broschiert: 464 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
Ersterscheinung: 13. Juli 2015
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453438329
ISBN-13: 978-3453438323
Originaltitel: The Bones Beneath
Genre: Thriller


Über den Autor

Der mit dem "Royal Television Award" ausgezeichnete Mark Billingham wure in Birminham geboren und ist Autor von zum Teil äußerts erfolgreichen Drehbüchern und TV Serien. Früher arbeitete Billingham als Schauspieler, Fernsehautor sowie als Komiker. Auch heute tritt er noch gelegentlich als Komiker auf, konzentriert sich aber hauptsächlich auf das Schreiben. Mark Billingham lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in London.


Inhaltsangabe/Klappentext

Er gilt als einer der gefährlichsten Serienkiller Englands. Niemand weiß, wie viele Menschen er tatsächlich umgebracht hat; niemand weiß, wo die Knochen seiner Opfer vergraben sind. Seit einigen Jahren sitzt Stuart Nicklin in einem Hochsicherheitsgefängnis. Bis er der Polizei einen Deal anbietet: Er führt sie an die Stätte seiner Untaten – unter einer Bedingung: Detective Inspector Tom Thorne, der ihn einst zu Fall brachte, muss das Unternehmen leiten. Thorne weiß, dass er zu einem Himmelfahrtskommando antritt, denn Nicklin ist ein Meister der psychologischen Manipulation. Auf einer einsamen walisischen Insel merken Thorne und sein Team schon bald, dass der Killer ein perfides Netzt spinnt, dem keiner entkommen kann ...


Rezension/Meinung


Cover und Klappentext:
Das Cover finde ich sehr ansprechend und auch sehr stimmig für ein Buch aus dem Krimi bzw. Thriller Genre. Wenn man es sich ganz genau anschaut und auch den Inhalt des Thrillers schon kennt, fällt einem sehr schnell auf, dass Inhalt und Cover auch wirklich sehr gut zusammen passen. Ich finde es zwar irgendwie von der Optik nicht so ansprechend, wie das Zitat zum Roman auf dem Cover plaziert ist, aber ich denke, dass dies eindeutig ein sehr persönliches Empfinden ist. Den Klappentext betreffend hätte ich mir ehrlich gesagt einen etwas anderen Inhalt dieses Thrillers erwartet. Insgesamt wohl noch ein bisschen spannender, als sich der Thriller in meinen Augen am Ende entpuppte.

Inhalt/Idee:
Die Idee hinter diesem Thriller gefällt mir sehr. Vor allen Dingen, da Stuart Nicklin und auch Tom Thorne beides sehr interessante Charaktere sind. Sehr interessant macht den Thriller auch einfach, dass die Leiche, nach der gesucht wird, sich auf einer sehr abgelegenen Insel befinden soll und durch welche alles doch zu einer deutlichen Herausforderung wird. Insgesamt sind Nicklins Hintergrundgeschichte, die Insel als Handlungsort und allein die Tatsache, dass noch ein weiterer Insasse samt Nicklin bei dieser Aktion dabei ist, bei dem man als Leser nur schwer einschätzen kann, was sein eigentlicher Sinn ist.

Aufbau und Schreibstil/Umsetzung:
Zunächst fiel es mir irgendwie sehr schwer mich in diese Geschichte einzufinden. Thorne als Protagonist ist ein nicht ganz einfacher Charakter und ich hatte mit allem auf den ersten Seiten durchaus meine Probleme. Letztendlich muss ich sagen, dass es nach ersten Startschwierigkeiten dann aber doch angenehmer wurde mit dem Lesen. Dadurch, dass man auch manchmal einen Erzählerwechsel zwischen Nickling und Thorne hat, bleibt der Thriller auch durchaus interessant, ich muss nämlich ansonsten gestehen, dass ich ihn eher ein wenig ruhig empfunden habe. Bei einem Thriller erwarte ich eigentlich deutlich mehr Spannung, als mir dieser hier geboten hat, auch wenn es da natürlich auch Abstufungen gibt zwischen Psychothrillern, bei denen ich »Der Manipulator« eher einordnen würde oder Thrillern, die mehr auf den Grusel- bzw. Ekelfaktor setzen.

Charaktere:
Wären Tom Thorne, seine Kollegen, Nicklin und der zweite Gefangene, den sie auf Wusch Nicklins dabei haben, nicht durchaus sehr interessante Charaktere, hätte ich diesen Thriller, glaube ich, als sehr ernüchternd empfunden. Thorne ist gleichsam sympathisch, wie auch irgendwie manchmal ein wenig seltsam. Irgendwie ist er kein Protagonist, mit dem ich mich richtig anfreunden konnte, aber seine Art, mit den Kollegen umzugehen, hat mir einfach gefallen. Auch wenn ich es nicht ganz verstanden habe, dass er so sehr auf die Äußerungen Nicklins teilweise angesprungen ist. Nicklin selbst ist eindeutig ein ziemlich mieser Charakter, bei dem man das Manipulative, was dem Thriller ja auch seinen Namen gibt, deutlich anmerkt, auch wenn er es auf eine durchaus eklig, schleimige und subtile Weise versucht, oder im Gegensatz dazu teilweise es so offensichtlich und platt durchzieht, dass er allein schon aufgrund dieser Wandelbarkeit interessant ist. Vor allem auch seine Beweggründe machen ihn zu einem nicht gerade uninteressanten Charakter. Alle weiteren Ermittler, Forensiker, Gefängniswächter, Inselbewohner etc. sind gut ausgearbeitete Nebencharaktere, zu denen man eigentlich wenig noch sagen kann. Am interessantesten ist Nicklins Side-Kick aus dem Gefängnis, bei dem ich mich sehr lange nur fragen konnte, was seine Rolle sein sollte, da er durch seine Schweigsamkeit und auch fehlende Eigeninitiative einfach einen interessanten Aspekt erhält.

 

Fazit


Ein Thriller mit einer, wie ich finde, sehr guten Idee und durchaus interessanten Charakteren, der mir aber irgendwie ein bisschen zu ruhig in seinem Verlauf war, bei dem ich selbst den Psychoanteil einfach noch zu gering empfunden habe, denn Nicklins Spielchen haben mich wenig dazu gebracht, dass ich wirklich eine beklemmende Spannung oder ähnliches empfunden habe, eher eine leise Neugier und Interesse, wie es weitergehen und sich teilweise auch aufklären wird. Ein durchaus interessantes Buch, aber eher nichts, wenn man es wirklich sehr spannend haben möchte.