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Sonntag, 13. Mai 2012

Rezension ~ Schattenfehde

Allgemeine Daten zum Roman

Titel/Autor: Schattenfehde - Alf Leue
Broschiert: 378 Seiten
Verlag: Sutton Verlag; Auflage: 1., Aufl. (19. März 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3866804261
ISBN-13: 978-3866804265 
Genre: Historische Romane





Inhaltsangabe

Hessen im Jahre 1461: Der 16-jährige Berthold Graychen, Hübnersohn aus dem Wildbann Dreieich, muss hilflos die Verbrennung seines Freundes Franz als Hexer mit ansehen. Als ihn dabei wieder die Vorahnungen und Visionen heimsuchen, die ihn schon seit einem Reitunfall in der Kindheit begleiten, gerät auch er ins Visier des machthungrigen Vogtes Wolfram Etzelroth, der Franz unschuldig hinrichten ließ. Hals über Kopf muss Berthold fliehen und dabei alles zurücklassen, was ihm lieb und teuer ist. Nur langsam begreift der junge Mann, dass er die Schlüsselrolle in einer politisch hochbrisanten Verschwörung spielt, in die sogar der Papst verwickelt ist und die in der kriegerischen Auseinandersetzung um den Mainzer Bischofstuhl enden wird. Auf einer zweijährigen Odyssee besteht Berthold Gefahren und Abenteuer, erhält geheimnisvolle Zeichen und findet unerwartet Verbündete. Gemeinsam mit ihnen macht er sich auf die Suche nach der Wahrheit und seiner eigenen Bestimmung.



Rezension

Alf Leue hat ein ganz besonderes Talent dafür einen real historischen Stoff glaubhaft mit spannenden fiktionalen Elementen zu einer Geschichte zu verknüpfen und einem dadurch auch die Historie näher zu bringen.

In "Schattenfehde" verbindet er gekonnt die historische Fehde zwischen dem Mainzer Kurfürsten und Erzbischhof Diether von Ysenburg mit dem Grafen Adolph von Nassau mit der Geschichte von Berthold Graychen, der von seltsamen Visionen heimgesucht wird. Berthold versteht diese Visionen nicht und kennt auch ihren Ursprung nicht, jedoch wird er wegen diesen von der Inquisition der katholischen Kirche verfolgt.

Das Besondere an diesem Roman sind zum einen die Charaktere und zum anderen die Atmosphäre.

Bei Leues Charakteren, vor allen Dingen den fiktionalen, ist es so, dass diese kaum fiktional wirken und man sie von den realen historischen Personen kaum unterscheiden kann. Man entdeckt immer wieder neue Seiten an ihnen und ihre Handlungen wirken nicht schwarz oder weiß, so dass man sie direkt in gut und böse unterteilen könnte. Jede Handlung eines Charakters hat aus seiner Position heraus logische Motive, die für ihn die Handlung gut und sinnvoll macht, auch wenn es aus anderer Perspektive eine negative Folge haben wird. Dadurch wirken die Charaktere einfach so extrem real und menschlich, wie ich es bisher bei kaum einem anderen Autor finden konnte.

Unterstützt wird das ganze durch die Atmosphäre im Roman, da man sich Bertholds Situation, die Situation zwischen den Fürsten und auch die umgebenden mittelalterlichen Gegebenheiten einfach anhand der Beschreibungen so gut vorstellen kann, dass man sich direkt in die Zeit in die Szenen hineinversetzt fühlt und auch sofort mit allem mitfühlt. Zudem wirken Bertholds Visionen in keinem Fall lächerlich oder überzogen und abgehoben, sondern fügen sich nahtlos und sehr stimmig in die reale Welt der Geschichte ein und wirken wenn eher wie eine Art absonderliche Träume.

Jedoch handelt es sich bei dem Roman nicht unbedingt um ein Werk für einfach so nebenbei, denn bedingt durch die historischen Fakten um die politischen Verstrickungen und die Fehde, sowie die dazugehörigen Machtspielchen, muss man an einigen Stellen schon sehr genau lesen, was aber dem Lesevergnügen an sich keinen Abbruch tut.

Insgesamt ein Roman, bei dem ich begeistert bin, wie spannend und fließend man eine solche Geschichte mit so wundervoll gestalteten Charakteren erzählen kann und es schafft darin noch so viele historische Fakten einzuarbeiten und dies selbst für Geschichtsmuffel interessant zu gestalten.


Fazit


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