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Mittwoch, 4. Juli 2012

Rezension ~ Mein russisches Abenteuer

Allgemeine Daten zum Roman

Titel: Mein russisches Abentuer
Autor: Jens Mühling
Gebundene Ausgabe: 351 Seiten
Verlag: Dumont Buchverlag
Ersterscheinung: 8. März 2012
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3832195890
ISBN-13: 978-3832195892
Genre: Gegenwartsliteratur


Über den Autor

Jens Mühling, geboren 1976 in Siegen, studierte Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin und der University of East Anglia, Norwich, England. Er war Redakteur der Moskauer Deutschen Zeitung und arbeitet seit 2005 beim Tagesspiegel. Für seine Reportagen und Essays über Russland wurde er mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Reportagepreis n-ost, dem Axel-Springer-Preis und dem Peter-Boenisch-Gedächtnispreis.



Inhaltsangabe/Klappentext

Vor zehn Jahren lernt der Journalist Jens Mühling in Berlin den russischen Fernsehproduzenten Juri kennen. Die Begegnung verändert sein Leben. Juri verkauft deutschen Sendern erfundene Geschichten über Russland, er sagt: "Die wahren Geschichten sind noch viel unglaublicher als alles, was ich mir ausdenken könnte." Seitdem reist Jens Mühling immer wieder nach Russland, getrieben von der Idee, diese wahren Geschichten zu finden. Die Menschen, denen er auf seinen Reisen begegnet, wirken wie ausgedacht. Aber sie sind das wahre Russland. Eine Einsiedlerin, die seit ihrer Geburt in der Taiga lebt und erst als Erwachsene erfahren hat, dass es jenseits der Wälder eine Welt gibt. Ein Mathematiker, der 1000 Jahre der russischen Geschichte für erfunden hält. Ein Priester, der in der atomar verseuchten Sperrzone von Tschernobyl predigt. Mein russisches Abenteuer ist eine Reiseerzählung, die durch das heutige Russland führt. Aus sehr persönlicher Perspektive porträtiert Jens Mühling eine Gesellschaft, deren Lebensgewohnheiten, Widersprüche, Absurditäten und Reize im Ausland nach wie vor wenigen vertraut sind.



Rezension

Wenn ich bisher an Russland gedacht habe, dann kamen mir vor allen Dingen so was wie der Kommunismus, Putin, Stalin, Lenin, Pelzmützen und -mäntel, Wodka, der Kremel, die Transsibirische Eisenbahn und weitere Dinge in den Sinn, die einfach entweder weltbekannt sind, die Welt beeinflusst haben oder einfach ein Klischee sind.

Bei den Russen ist es zudem so, dass sie in meiner Vorstellung bisher zum Großteil aus bärtigen, brummbärigen Männern und je nach Ort, jungen, hübschen Frauen, zumeist in Städten wie Moskau und rundlichen, etwas altbacken wirkenden Frauen in dörflichen Gegenden. Also auch sehr klischeebeladen und der Rest Russlands, von dem man nicht in Erdkunde oder Geschichte gehört hatte, war in meiner Vorstellung einfach sehr viel Raum von dem ich einfach nichts wusste.

Nach dem Roman jetzt kann ich jedoch behaupten, dass ich etwas über Russland weiß, auch wenn es in einigen Punkten so ganz anders war, als je von mir erwartet und ich einem Satz aus dem Roman nur zu gut zustimmen kann:

»Die wahren Geschichten in Russland sind unglaublicher als alles, was ich mir je ausdenken könnte.«

Zudem bewundere ich Jens Mühling sehr dafür, was er sich alles getraut hat und wie tief er es dadurch geschafft hat in die russische Seele einzudringen. Indem er so viele auch so vollkommen unterschiedliche Russen kennengelernt hat und das an so vielen verschiedenen Orten, die teilweise extrem unzugänglich sind, kam er diesem Wissen immer näher. Und bewundernswert ist auch, wie er es schafft einem seine Reise zu erzählen, denn an vielen Stellen hatte ich das Gefühl mit ihm auf seiner Reise zu sein. Allein diese bildhafte und dennoch nicht verschnörkelte Sprache Jens Mühlings ist einfach nur klasse und extrem angenehm beim Lesen.

Das »russische Abenteuer« ist auf jeden Fall ein Abenteuer und ganz sicher auch eins, das ich mich nicht getraut hätte, wodurch es aber wohl genau aus diesem Grund noch spannender für mich wurde. Zumal es auch geschafft hat aus einem weißen Fleck samt ein paar Klischees in meinem Kopf eine doch recht detaillierte Vorstellung Russlands geschaffen hat, die mich in seiner Gesamtheit einfach nur fasziniert, denn die Russen sind ein so vielfältiges Volk mit einer langen und spannenden Geschichte und Kultur, die es zu entdecken lohnt und in die Jens Mühling einen eintauchen lässt. 


Fazit

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